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De mortuis nihil nisi bene - Ein Nachruf

geschrieben von Wombel 
De mortuis nihil nisi bene - Ein Nachruf
letztes Jahr
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Lieber Ulf,
als ich gestern, unterwegs, auf die schnelle, die schlimme Nachricht las, ging ich zunächst davon aus, Calamus wäre gestorben. Heute beim richtigen lesen musste ich dann wahrnehmen, daß es sich bei dieser Katastrophe um einen erweiterten Suizid handelt: invers ist tot und alles was an Software darinnen ist, ist mit dabei.
Da hatte ich doch kürzlich noch Sodbrennen, weil für hanebüchene Theorien Käse aus Wikipedia als Referenz ins Feld geführt wurde wurde smileys with beer und ich dachte noch: es ging doch nur um eine läppsche Modulerweiterung und Ulf reagiert darauf seit einiger Zeit, als hätte man ihn jemand gebeten eine Niere zu spenden. Nichtsdestotrotz: Wie immer hat man zu wenig Zeit darauf verwendet (Dieter ist mir noch sehr pointiert beigesprungen), ist man am Ende, im entsetzten Angesicht der mürben Kunde mit der Frage konfrontiert, welchen Teil habe man selbst zu verantworten, hätte man im Panoptikum mitspielen sollen, ist das abgrenzbar, oder lieber als private Nachricht? War Ulf angepißt von den vielen negativen Äußerungen in letzter Zeit (abgesehen die, die immer nur geknöttert haben). Aber nein, da lese ich Unheilsschwanger: Ulf beginnt ein neues Kapitel in seinem Leben. Uff, Glück gehabt, wir sind nicht Schuld.
Im nachhinein ist man immer schlauer. Auch die NIeren bleiebn wo sie sind. Das zuletzt mittlerweile jahrelange Aufschieben elementarster Anpassungen hätte schon ahnen lassen müssen, das die letzte Reise angetreten ist. Und ohne Groll, denn wer soll das wohl finanzieren? Das jetzt, vierzehn Tage vor der Vollstreckung, eine Information kommt wird gut überlegt gewesen sein. Mich versetzt es (etwas) in Panik. Jetzt zeigt sich der Nachteil digitalen Handels: es bleiben keine Bleibsel (Hardware CD im Schuber), die man auch später noch auf Resterampen erwerben kann. Erst neulich hatte ich einigen Kollegen C15 für die Schülerzeitung gezeigt (als legale Variante zu einer kanadischen Raubkopie) und die erwarben sich daraufhin jeweils eine "bhv-Version" für drei Euronen im Regenwald um mal zu probieren. Es wurde eine schöne und intuitiv gestaltete Alumnizeitung einer Abschlußklasse. Das ist jetzt ein Griff ins Klo.

Also, abgesehen davon, daß ein Ende für den einen unabwendbar ist, es einigen ganz Recht kommt oder doch komplett wurscht ist, kommt es für andere auch zur Unzeit. Fakt ist: wir müssen damit leben. Damals, als DMC den Calamus vor die Wand gefahren hat, war Ulf da, und hat sich leidenschaftlich und mit Eifer gekümmert. Ebenso, als er es den kalten toten Händen der Kanadier entrissen hat. Ich möchte nicht wissen, um, buchstäblich, welchen Preis. Die Weiterentwicklung der Urversion in eine Milleniumsversion war dann später auch mehr als gelungen, ebenso die in diesem Umfeld gemachten Module. Wie Ulf in seiner Depesche betont, wurde das von eine kleinen Softwareschmiede gestemmt und nicht von finanzstarken Imperien aus Übersee. Daneben war Ulf für die merkwürdigsten Supportanfragen da, und auch für ernsthafte. So oder so kam es immer zu einer Lösung, im Zweifel unterstützt durch die Calamus Götter Dieter Stockert und Paul Pasveer. Über zwanzig Jahre hinweg hat Ulf den Fummelbunker zusammengehalten und offensichtlich reichlich im Hintergrund gewirkt. Dadurch hatte man als Anwender immer den Eindruck Teil eine Gemeinschaft zu sein und mit seinen Fragen nicht allein. Dafür wirklich den allerherzlichsten Dank. Auch an Dieter und Paul.
Leider ist nun, anders wie damals bei DMC, keine Nachfolgelösung da. Das betrübt.
Immerhin offerierst Du uns in deiner Depesche ein Offenhalten der Website. Mitbewerber jeglicher Größe schalten gern ihre Webpräsenzen radikal ab und sind fertig damit. Hier haben wir dankenswerter Weise eine Gnadenfrist. Das wäre auch wirklich elementar und mindert die (so kurzfristig bekannt gewordene) Katastrophe doch erheblich. Auch dafür meinen Dank, verbunden mit dem Hinweis, das durchaus ein Obulus für das Hosting und den Support (Download und Probleme) angemessen ist zumal ich sicher weiß, daß ich davon Nutznießer sein werde (Fragen zum Workaround, erneuter Download der Module oder der verbummelde Matchcode). Mit einigen hätte ich ernsthafterweise auch Lust auf eine Alumni. Wenn die kleine Firma jetzt tot ist, bedeutet das ja wohl, daß Du, Ulf, das Hosting aus der Privatschatulle bezahlen wirst. Das allerdings, fände ich unfair. Ich zumindest würde mich gern daran beteiligen.
Man sagt ja: Wenn Gott eine Tür schließt öffnet er irgendwo ein Fenster. Ich wünsche Dir, Ulf, daß das angedeutete neue Kapitel nicht durch das Fenster zum Hinterhof mit den Mülltonnen begangen wird. Das wäre sowas wie der stellvertretende Telefondesinfizierer in einem Liköreierkombinat südlich von Greifswald. Oder ein Einsatz mit der Versal-SS, ebenfalls im kalten Teil der Welt...eye rolling smiley
Solche Dummheiten würdest Du ja sicher nicht machen.
Also, im Ernst, Danke, das Du nach dem Debakel der neunziger fast zwanzig Jahre den Laden zusammengehalten hast. Danke, das Du nicht aus der Welt bist, Danke für die gelungene Hinterlassenschaft und natürlich viel Erfolg beim Schreiben des neuen Kapitels mit glücklicher Hand. Danke für die natürlich zeitlich knappe Abmeldung durch einen übersichtlichen Abschiedsbrief. Abgesehen von der Trauer über den Verlust fühle ich mich aber durch die Formulierung angesprochen vor allem wenn Du von den netten und konstruktiven Anwendern sprichst. Und wer weiß, was aus Calamus wird.
Um Shakespeare zu bemühen: "Wenn man nicht weiß, wohin man will, kommt man am weitesten."

Über die Toten (nichts außer) nur Bestes,

Rainer


PS: Apropos Versal-SS. Wusstest Du eigentlich, das 1915 der französische Psychiater Edgar Berillon "entdeckt" hat, dass Deutsche einen rund 3m längeren Darm als andere Völker haben. Folge: Sie scheißen mehr und riechen schlecht. Berillon schlug vor, seine "Erkenntnisse" bei der Suche nach dt. Spionen zu nutzen
Re: De mortuis nihil nisi bene - Ein Nachruf
letztes Jahr
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Lieber Rainer,
sollte ich dereinstmalirgendwann den letzten Löffel abgeben, möchte ich gern von Dir eine Grabrede. Hab mich köstlich über Deinen "Nachruf" amüsiert.

Alles wird gut.
Ulf

Grüße / Greetings / Groetjes / Salutations,
Ulf Dunkel · invers Software
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