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Neuer Buchstabe im deutschen Alphabet

geschrieben von Wombel 
Neuer Buchstabe im deutschen Alphabet
letztes Jahr
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Liebe Gemeinde,

den Meisten dürfte bekannt sein, daß am 29.6.2017 der deutsche Rechtschreibrat dem amtlichen deutschen Alphabet einen neuen Buchstaben hinzugefügt hat: die SZ-Versalie. Das amtliche Regelwerk ist verbindlich für die Verwendung an Schulen oder bei Behörden und „von den zuständigen staatlichen Stellen in Deutschland, Österreich, der Schweiz, dem Fürstentum Liechtenstein, der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol und der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens bestätigt und damit wirksam geworden.“ Wer also an oder für solche Institutionen in diesen Ländern tätig ist, wird um die Verwendung nicht herumkommen. Dies betrifft natürlich auch Briefköpfe, Schulbücher/Schultexte, amtliche Vordrucke/Formulare. Üblicherweise wurde bislang entweder das "SZ" bei Versalienschreibung zu "SS" (Straße -> STRASSE; bei Namen im Perso: Großmann -> GROSSMANN) oder es wurde zwischen den Versalien das kleine "SZ" verwendet (STRAßE, GROßMANN). Ebenso genutzt wird das "Versal-SZ" selbstverständlich bei Überschriften oder als Gestaltelement.
Bei privater Schreibung ist dies natürlich nicht verbindlich, aber bei amtlicher, zumal bei bezahlter Auftragsarbeit, oder als Lehrer, schon. Ebenso haben Verlage die Verwendung der amtlichen deutschen Rechtschreibung als verbindliche Vorgabe.

Computerdeutschland hatte sich bei einigen Schriftarten bereits darauf vorbereitet. So hat, je nach Windowsgeneration, zum Beispiel die Arial, oder die Cambria bereits eine originäre, gestaltete SZ-Versalie. Aber natürlich auch nur, wenn der Zeichensatz aktuell geladen wurde und nicht von anno Tobak (bestenfalls Zeitpunkt der Systemaufsetzung) ist. Kommerzielle Schriftenhäuser planen ebenfalls gestaltete Ergänzungen. Die professionellen Ergänzungen sind erwartungsgemäß sehr gut, aufwändig und künstlerisch an den Gesamtfont angepaßt.
Nach Tastaturtreiber- und Zeichensatzupdate erreicht man in Textverarbeitungen das "Versal-SZ" durch AltGr-h, oder je nach Generation AltGr-c, oder Alt-7838 (Unicode 1E9E). Das ist dummerweise sehr abhängig von Tastaturtreiber und Systemgeneration. Wen es interessiert: "Die Zeit" hat da einen schönen Artikel mit Anleitungen veröffentlicht. Wirklich ausgezeichnet und lesenswert ist auch ein Artikel von Ralf Herrmann dazu im TypoJournal, mit Auflistung der bereits verwendbaren Systemfonts. Die Nutzung und Weitergabe dieses Artikels ist leider ausdrücklich nur zu privaten Zwecken gestattet. Ich würde daher den Ärger für den Zweifelsfall vermeiden, was dieses Forum ist. Es läßt sich aber auch leicht finden; oder Ulf hat nichts dagegen. Der Rechtschreibrat hat auf seiner Homepage das amtliche komplett Regelwerk der deutschen Sprache als PDF veröffentlicht, mit einem aktualisierten Anhang des offiziellen Wortschatzes.

Meine Frage:
Gibt es da bei Calamus für Eddi, die Text-Bearbeitung und die Fonttools schon eine Erreichbarkeit für das große "SZ", falls es im Zeichensatz vorhanden, oder ist da etwas geplant? Wird die (eigentlich ja schon volle) Zeichensatzübersicht angepaßt, welcher Glyph würde wegfallen? Kann ich das "SZ" demnach tippend erreichen (Alt, Steuercode, ASCII) oder muß ich es, falls vorhanden, jedesmal als Sonderzeichen einfügen? Ideal wäre natürlich auch eine Erreichbarkeit ohne FontTools, wenn ein entsprechender Font mit vorhandenem Majuskel geladen ist. Vielleicht gibt es dazu eine Schritt-für-Schritt Anleitung zur Belegung eines Sonderzeichens auf die Tastatur.
Für offiziell/amtlich arbeitende bzw. für Verlage Tätige von großem Interesse, privat natülich eher nicht.

Danke, Rainer

PS: Es gibt jetzt auch offiziell keine Majonäse mehr, keinen Ketschup und keine Grisli (das sind jetzt wieder Grizzly), von Wandalismus ganz zu schweigen. Dafür ist man offiziell immer noch nicht "herzlich Willkommen".



1 mal bearbeitet. Die letzte Bearbeitung war letztes Jahr von Wombel. (Änderungen ansehen)
Re: Neuer Buchstabe im deutschen Alphabet
letztes Jahr
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Nein, Calamus ist dafür keineswegs vorbereitet. Calamus kennt nach wie vor nur 224 Zeichen (TOS-ASCII 32 bis 255) in den CFN-Fonts. Wir haben vor Jahren mal die €-Erweiterung eingebaut, durch die ein anderes Zeichen auf dem TOS-ASCII-Slot 238 "geopfert" wurde. Es gibt diverse Zeichen, die in den hinteren Rängen oft nicht belegt waren. Da böte sich sicher noch eine Möglichkeit für das Versal-SS. (Nennt der Rechtschreibrat es ernsthaft Versal-SZ?!?)

Grüße / Greetings / Groetjes / Salutations,
Ulf Dunkel · invers Software



1 mal bearbeitet. Die letzte Bearbeitung war letztes Jahr von Ulf Dunkel. (Änderungen ansehen)
Re: Neuer Buchstabe im deutschen Alphabet
letztes Jahr
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Ulf Dunkel schrieb:
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> Nein, Calamus ist dafür keineswegs vorbereitet. Ca
> lamus kennt nach wie vor nur 224 Zeichen (TOS-ASCI
> I 32 bis 256) in den CFN-Fonts. Wir haben vor Jahr
> en mal die €-Erweiterung eingebaut, durch die ein
> anderes Zeichen auf dem TOS-ASCII-Slot 238 "geopfe
> rt" wurde. Es gibt diverse Zeichen, die in den hin
> teren Rängen oft nicht belegt waren.

Darin bestand meine Hoffnung für dieses Fließtextzeichen. Die gesamte Architektur des "€" böte sich nämlich für das "SZ" an, weil es dasselbe Problem wie seinerzeit beim "€" ist.
Es ist ein selten, aber im Wort, verwendetes Zeichen. Aufgrund der nur gelegentlichen Verwendung reichte es nämlich eigentlich, eine Einfügung über das FonTools Panel für dieses Zeichen manuell, aber halbwegs komfortabel, in den Rahmen (oder Eddi) vorzunehmen. Dadurch würden auch nicht neue Fässer aufgemacht (Unicode, Tastaturtreiber). Dazu wäre doch einfach der Code zu kopieren (selbstverständlich mit eigenem, freien ASCI-Slot), Einpassung in die FonTools und das wars. Gegenwärtig zeichnen sich bei den Designern nur drei Grundformen ab, die Fontools vorgeben könnte, als Standardzeichen, wie beim "€". Sofern im professionellen Font vorhanden, kann dieses per Liste zugeordnet werden oder, die Spezialisten, fügen dort die an den Font angepassten Ergänzungen der Fonthäuser ein. Also alles wie beim "€", nur mit einem anderen Zeichen.

> Da böte sich
> sicher noch eine Möglichkeit für das Versal-SS. (N
> (Nennt der Rechtschreibrat es ernsthaft Versal-SZ?!?)

Die schreiben, sagen SZ oder EssZett und darum bin ich auch sehr froh. Die Bezeichnung "Versal-SS" hört sich eher danach an, als sei sie mal zu Fuß in Rußland gewesen.
Zumal der Glyph ja auch tatsächlich "SZ" heißt, oder ausgesprochen "EssZett", und historisch eine Ligatur von s und z ist. Es käme heute wohl auch keiner mehr auf den Trichter, das Ding "Heinrich-Zeichen" zu nennen, außer Bernd Höcke, Frau von Strolch und natürlich deren Anführer Geront. Die Schlingel.

Wurscht. So eine schnelle Lösung, durch Verwendung der "€"-Code-Vorlage, wäre im Ergebnis nicht einmal eine Bastelei, denn die Einfügung des "€" finde ich für das "SZ" sogar ausreichend komfortabel. Die Einfügung ganz ohne Unterstützung allerdings, wie zur Zeit, ist extrem umständlich (wenn nicht gar unmöglich) und ist mitunter für Textfunktionen ungeeignet. Da es aber in Worten und Fließtext verwendet wird, sollte "suchen", "ersetzen", "sortieren" und der "Index" funktionieren. Das war beim "€" unnötig und macht diese Ergänzung der Fonttools für das "SZ" so dringlich.
Da überwiegend professionelle Textanwender daran interessiert sein dürften, wäre sowieso eine kostenpflichtige Ergänzung der FonTools sicherlich selbstverständlich in Ordnung. Es ist ja keine Fehlerkorrektur, sondern eine wichtige Erweiterung des Funktionsbereichs und der Compliance des C15.

Wer öfter an das Hohle klopft, gibt der Leere ein Geräusch.

Rainer



4 mal bearbeitet. Die letzte Bearbeitung war letztes Jahr von Wombel. (Änderungen ansehen)
Re: Neuer Buchstabe im deutschen Alphabet
letztes Jahr
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Hallo Rainer,
wir brauchen hier sicher nicht darüber zu streiten, ob es nun eine ss- oder eine sz-Ligatur ist. smileys with beer Das ist längst klar (technisch war und ist es immer eine ss-Ligatur aus Lang-s und Schluss-s gewesen). Siehe auch Wikipedia dazu.

Das Einfügen des Versal-"Eszett" braucht zunächst mal Schriftzeichen. Momentan basteln alle Fonthersteller noch und werden mit Sicherheit nicht nur 3 Stilvarianten für die abermillionen Fonts verwenden. Ich persönlich finde das Versal-"Eszett" als weiteres Sonderzeichen hinderlich für die Globalisierung von Schrift und Sprache. Ich werde trotzdem mal die Fonthersteller kontaktieren, wie der Stand der Dinge hierzu ist.

Grüße / Greetings / Groetjes / Salutations,
Ulf Dunkel · invers Software
Re: Neuer Buchstabe im deutschen Alphabet
letztes Jahr
Ob von seiner Entstehung her Ligatur oder nicht – von seiner Funktion her ist das scharfe ß längst ein eigenständiger Buchstabe. Das sollte wohl entscheidend sein, sonst müsste man auch das w in Frage stellen. Sinnvoll ist die Unterscheidung ja auch, weil ß und ss unterschiedlich gesprochen werden. Und dass ein Versal-Eszett notwendig ist, ergibt sich ja schon daraus, dass man die Versalschreibung mit SS nicht zuverlässig in Kleinbuchstaben (ß oder ss?) auflösen kann. Im übrigen hält das Versal-Eszett in immer mehr neue Schriften Einzug.
Re: Neuer Buchstabe im deutschen Alphabet
letztes Jahr
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Lieber Dieter,
grundsätzlich hast Du Recht. Deine Kritik, man könne die Versalschreibung nicht zuverlässig nach "ss" bzw. "ß" auflösen, ist indes nicht ganz richtig, weil die Versalschreibung ja die Auflösung ist (die Richtung ist also andersherum als von Dir genannt).

Beispiel: Wenn ich das Wort "Gesamtmaß" versal schreiben will, wurde daraus bisher eindeutig "GESAMTMASS". Wenn ich das Wort "Zeitmaße" versal schreiben will, wurde daraus bisher eindeutig "ZEITMASZE" (siehe Sonderregel Duden), wenn man die Umsetzung korrekt anwendet, um eben klar darstellen zu können, dass es sich hier um die Versalschreibweise von "Zeitmaße" und nicht von "Zeitmasse" handelt. (So gesehen auf dem LP-Cover des gleichnamigen Werks von Karlheinz Stockhausen).

Das Versal-SS ist eine m.E. immer noch unnötige "Werbeidee" der Schriftenhersteller. Ich denke, wir sollten denen noch ein wenig Zeit geben, bis die Fonts erweitert sind. Die Neuregelung ist ja noch nicht mal ein halbes Jahr alt.

Grüße / Greetings / Groetjes / Salutations,
Ulf Dunkel · invers Software
Re: Neuer Buchstabe im deutschen Alphabet
letztes Jahr
Es gibt viele Fälle, wo der Leser mit Versalschreibung konfrontiert ist (etwa beim Personalausweis oder in Literaturnachweisen mit Autorangabe in Kapitälchen). Da kann man das ss eben nicht eindeutig auflösen, weil man nicht weiß, ob sich der entsprechende Namensträger Meißner oder Meissner schreibt. Dieses Manko, das der Duden schon vor Jahrzehnten beanstandet hat, wird endlich durch das Versal-Eszett behoben.
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